Hier ein interessanter und umfassender Artikel zum Verb br' (barah), das in der Schöpfungsgeschichte der Genesis 7x verwendet wird und traditionell als "schaffen" übersetzt und theologisch auf die Schöpfungstätigkeit Gottes bezogen worden ist, und zwar Gott schaffe in Genesis creatio ex nihilo.
Der Artikel hinterfragt diese semantische Bedeutung und plädiert für die Bedeutung:


In conclusion, Van Wolde’s proposal that [br' (barah) in Genesis 1:1–2:4a means “to spatially separate” remains a viable explanation for the semantics of this verb.

Nebenbei habe ich beim Lesen einiges über neuere linguistische Arbeitsweise begriffsgeschichtlicher Fragestellungen gelernt (Begriffsgeschichtliche Studien sind ja seit James Barr in der Theologie etwas in Verruf geraten). Zudem ist der Artikel dem Journal of Hebrew Scriptures entnommen, eine Zeitschrift, die online frei zugänglich ist.



Wer seine Möglichkeiten erweitern will und hebräischen Bibeltexten (in Teilen, siehe: das Hebräische hier kommt der Aussprache, die ich einst gelernt habe, näher) und vor allem vielen verschiedenen griechischen Aussprachemöglichkeiten lauschen will, sollte sich unbedingt diese Seite anschauen. Gerade die ausführliche Darstellung und Würdigung einzelner Quellen finde ich herausragend.


Nach meinem Hebraicum vor knapp 1,5 Jahren wird es Zeit, dass ich mein Hebräisch wieder auffrische. Aus den diversen Grammatik- und Lehrbüchern (Jenni, Lambdin etc.) habe ich mich für Heinz-Dieter Neef, Arbeitsbuch Hebräisch (2008) entschieden. Heute wurde es nun geliefert. Auszüge aus dem Vorwort und der Einleitung sind echt vielverpsrechend.
Der Autor ist seit 1981/82 dabei, Studenten Hebräisch beizubringen. "Für mich war und ist es eine sehr schöne und dankbare Aufgabe, junge Menschen in das Hebräische einführen zu können" (VII).
Das Arbeitsbuch versteht sich als Lehrbuch des biblischen Hebräisch und möchte gute Grundlagen für das Verständnis des Hebräischen schaffen (1). Wofür ich besonders hervorheben möchte - das war mir vor dem Kauf gar nicht so bewußt - ist, dass alle verwendeten Formen und Textbeispiele aus dem AT selbst stammen und keine Fiktionen darstellen (1f). So arbeitet man von Anfang an "am Text".

Also die ersten Gehschritte sind sehr verheißungsvoll. Nun heißt es, regelmäßig wieder "gehen zu üben".



"Sed in primis ad fontes ipsos properandum, id est graecos et antiquos." - "Vor allem muss man zu den Quellen selbst eilen, d. h. zu den Griechen und den Alten überhaupt." Dieses Motto, von Erasmus von Rotterdam im Jahr 1511 in seiner didaktischen Programmschrift De ratione studii ac legendi interpretandique auctores formuliert und gewissermaßen didaktischer Inspirationspunkt dieser Überlegungen, stellt die Grundlage der humanistischen Bildungsbewegung des 15. und 16. Jahrhunderts dar: "Humanisten wie Reformatoren", so Manfred Fuhrmann, "drängte es zu den Quellen, den originalen Texten ihrer Verehrung und ihres Glaubens; die einen wie die anderen konnten an der auf das Lateinische beschränkten Kultur des Mittelalters kein Genüge mehr finden, und so teilten sie die Überzeugung, dass der Gebildete auch das Griechische, ja selbst das Hebräische kennen müsse." (Quelle: Stefan Kipf, "ad fontes?: Überlegungen zur Begründung der Originallektüre im altsprachlichen Unterricht", S. 1).

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