die 'Textproduzenten' in der Antike. So findet sich häufig in den papyri-Dokumenten am Ende ein Zusatz wie etwa im P. Ryl II. 193:
"Maron, Schreiber der Euhemeria 's Hirten, schrieb dies für ihn, weil er die Buchstaben nicht kennt" (siehe O'DONNELL, M.B. (2005). Corpus linguistics and the Greek of the New Testament, New Testament monographs. Sheffield: Sheffield Phoenix Press, S. 111).Nach M. B. O'Donnell können wir davon ausgehen, dass überhaupt 20-30 % einer existierenden Gesellschaft schreiben konnten. Es wird sich hier um mit Wohlstand ausgestatteten Männer einer existierenden Gesellschaft handeln (S. 111).
Was dieser sozialgeschichtliche Umstand für die Bücher des NT bedeutet, ist eine spannende Frage. Eine gute Einführung mit einigen interessanten Thesen findet sich hier: KACHOUH, N. (2004). Die Paulusbriefe als Gemeinschaftsbriefe: Der Einfluss von Sekretären, Mitabsendern und Traditionen auf die Paulusbriefe. Unveröff. wiss. Arbeit. Pretoria: University of South Africa.
D. L. Bock ist eine anerkannte Größe zum lukanischen Werk bzw. den Evangelien insgesamt und hat hier einiges veröffentlicht (siehe).
In den letzten Wochen habe ich einen Artikel von Jörg Frey exzerpiert. In der ntl. Forschung war einige Zeit nach der Veröffentlichung der Qumran-Funde eine Euphorie über eine mögliche religions- oder tradtionsgeschichtliche Anbindung der Texte an das NT entstanden.
So einfach ist es aber mit den Qumran-Funden nicht. J. Frey macht in seinem Artikel im Wesentlichen 3 Dinge klar: 1) Traditions- u. religionsgeschichtliche Untersuchungen mit dem Zweck eine genealogische Abhängigkeit zu erkennen, sind problematisch. Die essenische Gemeinschaft fusste selbst auf einem breiten Tratitionsfluss aus AT und Frühjudentum. 2) Es gab nicht die einzige essenische Gemeinschaft. Auch hier ist ein genauer Blick und Expertenwissen nötig. Zumindest ist das "uniforme Bild der Qumran-Sekte" (Frey) abzulehnen. 3) Auch die theologischen Schriften der Sekte offenbaren ein differenziertes Bild an Erkenntnissen und in der Lehre.
Für mich bedeutet es: Wieder mal ist es mit einfachen Erklärungen nicht getan. Bezieht sich jemand auf Qumran, ist eine Differenzierung nötig. Diese ist aber nur mit Expertenwissen (und langer Forschungsarbeit) verbunden. Einfach ist es nicht...
Hays berichtet zunächst von einer von ihm im Jahr 1995 organisierten Konferenz an der Duke University mit ca. 30 führenden Forschern im Bereich NT, Theologie und Ethik. Die Zusammenkunft scheiterte in dem Sinne, dass sowohl kein Konsens als auch ein Sammelband über die ntl. Ethik erschien. Zu unterschiedlich sind hier die Zugänge, Prämissen und Modelle. Sechst solcher Modelle stellt Hays vor.
Demnächst wollen wir hier den 1. Thessalonicherbrief (1Thess) übersetzen und dadurch die Koiné üben. In meinen Sammlungen habe ich einen interessanten Artikel von Richard S. Ascough entdeckt, der einige interessante Thesen aus sozialgeschichtlicher Perspektive vornimmt.
Ascough hält aufgrund der Evidenz der Quellen fest, dass es im 1Thess um eine Gemeinde geht, die aus Heiden bestand. Weiterhin argumentiert er, dass die Thessalonicher meist Handwerker waren, weil Paulus positiv über die Arbeit und seinen Status reden kann. Und er nimmt sogar an, dass sowohl Paulus als auch die Thessalonicher dieselbe berufliche Tätigkeit ausübten. Hauptaugenmerk ist dann die Begründung, dass die Thessalonicher ähnlich einem antiken Verein - von denen es eine unendlich viele Anzahl gab - organisiert waren.
Quelle: ASCOUGH, Richard S.: The Thessalonian Christian Community as a Professional Voluntary Association. In: JBL 119 (2000) Nr. 2, S. 311-28.
In den paulinischen Briefen taucht unterschiedlich oft die erste Person Plural auf. In der ntl. Forschung hat man diesen Umstand verschiedentlich interpretiert. Meines Erachtens ist es sehr vielversprechend, wenn man – nach umsichtiger Prüfung – die paulinischen Briefe als Gemeinschaftsprodukte mehrerer Autoren liest bzw. die Aussagen in der ersten Person Plural auf Paulus und seine Mitarbeiter bezieht. Wie dann die jeweiligen Texte zu interpretieren sind, habe ich in meiner MTh-Arbeit versucht zu zeigen. Siehe Auszüge davon:
Erste Person Plural im Corpus Paulinum
Im Rahmen meiner MTh-Arbeit habe ich ‚im Vorbeigehen' mit einigen Einleitungsfragen zu den paulinischen Briefen im NT beschäftigt. Siehe:
Einleitungsfragen zum Corpus Paulinum
Josef wird bei den Erzählungen der Weihnachtsgeschichte entweder kaum beachtet oder man wirft ihm sein Schweigen vor, weil er in den Evangelien kaum in Erscheinung tritt und die Initiative ergreift (so zuletzt im Dezember in einer der Morgenandachten des WDR5).
Beides hat sicherlich mit der textlichen Basis zu tun. Wir haben nicht viele Informationen über Josef und es scheint so, dass die Evangelisten sich nicht sonderlich Mühe geben, um Josef besonders hervorzuheben. Aber ganz so trist sie die Lage nicht aus. Einiges lässt sich über ihn mitteilen. Hier einige Auszüge aus meiner Predigt vom 25.12.2007.
Im Moment predige ich durch den Philipperbrief. (Falls jemand an den Ergebnissen interessiert ist, findet ihr es hier.) Dementsprechend lebe und atme ich im Moment mit dem Philipperbrief.
Zurzeit bin ich beim Christus-Hymnus angelangt und werde wohl immer wieder einige Sachen posten, die mir in der Exegese aufgefallen sind. Allerdings wird wohl kein Kommentar zum Christus-Hymnus vollständig, wenn man zu Beginn nicht bekennt, dass man nicht geschafft, alle vorhandene Literatur dazu durchschauen.
Die Übersetzung von αρπαγμος gestaltet sich schwieriger als Anfangs gedacht. Das Substantiv kommt im Profan-Griechischen nur sehr selten vor und in der LXX ist es gar nicht vertreten. Die Profan-Griechische Übersetzung das Rauben kommt in Phil 2,6 wohl nicht in Betracht.
Auf dem Hintergrund der Zerstörung Jerusalems und des Tempels 70 n. Chr. entstand das rabbinische Judentum. "Statt des Tempels war es jetzt das Leben nach der Tora, das religiöse Identität stiftete..." (:194, aus F. Avemarie, "Die Formierung des rabbinischen Judentums", 2004 in NTAK, S. 194-8). Die legendarische Erzählung berichtet von Rabban Jochanan ben Zakkai, der in Iamnia (Javne) diese Gemeinschaft begründet. Allerdings bestreitet Avemarie die "Annahme, dass auf einer 'Synode von Iamnia (Javne)' der 24 Bücher umfassende rabbinische Bibelkanon festgelegt wurde" (:195).
Bei meiner Recherche im Internet bin ich zufällig auf eine interessante Seite der Deutschen Bibelgesellschaft gestoßen - www.bibelgesellschaft.de. Hervorzuheben ist dabei das WiBiLex, das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet. Aktuell sind über 500 Artikel (mit einem Schwerpunkt auf AT) online zugänglich, es sollen nach Ende der Fertigstellung ca. 3000 werden.
Die Offenbarung des Johannes (Apokalypse) wird verschiedentlich interpretiert. Manchmal wird sie zu Unrecht als eine Art "Geheimnisbuch" verstanden, das es zu entschlüsseln gilt, um die eigentliche Aussage zu verstehen. Meines Erachtens helfen folgende Prämissen, um die Botschaft wirklich zu verstehen (inspiriert durch Graeme Goldsworthy, Gospel in Revelation):
Die Kenntnis antiker Reiseverhältnisse ist unentbehrlich, um geographische und zeitliche Angaben in den Paulusbriefen richtig einzuordnen. Hier einige Anhaltspunkte:
(1) Das Überwintern: "Nach Vegetius (4. Jh. n. Chr.) war die Schiffahrt vom 11. November bis zum 10. März allgemein geschlossen (...). Darüber hinaus galten die Zeiten vom 10. März bis 27. Mai und vom 14. September bis 11. November als gefährlich für Seereisen" (Riesner 1994:274f).
aus: Scholtissek, Klaus, "''Eine größere Liebe als diese hat niemand, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde'' (Joh 15,13): Die hellenistische Freundschaftsethik und das Johannesevangelium," in J. Frey und U. Schnelle, (Hg.), Kontexte des Johannesevangeliums: das vierte Evangelium in religions- und traditionsgeschichtlicher Perspektive, 2004, (Tübingen: Mohr Siebeck, 413-39).
1. Der Autor will der antiken Freundschaftsethik nachgehen und nach möglichen Einflüssen und Analogien zu den Freundschaftsaussagen im JohEv fragen (:414).
aus: Motyer, Steve, "Narrative Theology in John 1-5," in J. Lierman, Hg., Challenging perspectives on the Gospel of John, 2006 (Tübingen: Mohr Siebeck, 194-209).
Dan Stiver folgend beschreibt der Autor drei Arten:
1.1 Theology in Narrative
"...is simply theology embedded in a narrative" (:195). "The narrative is christological because it narrates a christological confession" (:195, z. B. Joh 1,35-42).