Ich kann nur Ben Witherington's Kritk an der Emergent Church Bewegung zu stimmen. Allerdings würde ich die Kritik auf einige andere Gruppen erweitern, die sich einer ähnlichen Rhetorik bedienen.
Mir begegnet nicht selten die Frage, wie ich es denn in einer "traditionellen" Gemeinde aushalte. Ich kann dabei völlig stehen lassen, dass Menschen scheinbar unterschiedliche Zugänge zu Gott und zu Gemeinde brauchen. Mich irritiert dabei allerdings, dass man durch diese Rhetorik beginnt Gottes Gemeinde zu werten.
Die traditionellen Gemeinden können und müssen ganz sicher viel von neuen, aufstrebenden Gemeinden lernen und jede Gemeindebewegung braucht immer wieder eine Reformation. Ich bin aber immer skeptisch, wenn eine Bewegung für sich beansprucht, den neuen, einzigen Weg gefunden zu haben. Nach 2000Jahren Kirchengeschichte ist diese Anmaßung wohl zu bezweifeln. Wir sollten also endlich mit dem entweder-oder aufhören und gemeinsam Reich Gottes bauen.
Theologie ist ein mächtiges Wort und ein Graus für viele. Insbesondere in der christlichen Szene wird schon mal häufiger 'abfällig' über die "Theologie" als solches oder "die Theologen" geredet. Dabei meine ich folgende immer wiederkehrende Formulierungen herauszuhören:
- Theologie ist lebensfremde Wirklichkeit, eine Theorie, die wenig mit dem wirklichen Leben zu tun hat
- Theologie ist nur etwas für Experten; der 'einfache' Glaube bringt es, Theologie ist etwas für einige Wenige
- Theologie setzt eine theologische Ausbildung voraus; ohne Ausbildung kein Theologe
- usw.
James Grant hat in seinem Blogeintrag vom 15. Oktober 2010 über die Bedeutung von en kyrio ("union with Christ" = Vereinigung/Einssein mit Christus) geschrieben (siehe). Aber (leider) in englischer Sprache!
Es handelt sich um eine Andacht, in der er das "Einssein mit Christus" theologisch vertieft und in Bezug auf das spirituelle Leben des Christen Anwendungen gibt. Damit berührt er das Selbstverständnis dieses Blogs.
Nur würde ich in 1Thess 2 den erste Person Plural als real lesen und damit die dortigen Aussagen auf Paulus und Silvanus und Timotheus beziehen (1Thess 1,1).
Von Urs Stingelin, (2003) "Von Augustus zu den Windeln: Über den antiken Leser, seine Erwartungen und was der Text des Neuen Testaments daraus macht" in: Victor, Ulrich, Thiede, Carsten Peter und Urs Stingelin, Antike Kultur und Neues Testament- Die wichtigsten Hintergründe und Hilfsmittel zum Verständnis der neutestamentlichen Schriften, Brunnen (Basel), habe ich diese im wahrsten Sinne des Wortes ansprechende Illustration:
"In der Schweiz gibt es einen Pass. Wer ihn am Tag mit dem Auto befährt, sieht wenige Kurven vor der Passhöhe weit über sich eine kleine Kapelle. Sie fügt sich unauffällig in ihre Umgebung ein: in eine raue, imposante Landschaft mit karstigen Felsen und Wald, so weit das Auge reicht. Wer in der Nacht dieselbe Route wählt, erblickt im weiten Dunkel nichts anderes als ein leuchtendes Kreuz.
In seinen Geistlichen Übungen schreibt der Jesuitengründer Ignatius von Loyola im 16. Jhr.:
"Der Mensch ist geschaffen um Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht: zu erweisen und ihm zu dienen und so sein Seelenheil zu wirken: Die übrigen Dinge auf Erden aber sind des Mensehen wegen erschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Zieles, für das er geschaffen ist, behilflich seien. Hieraus folgt, daß der Mensch dieselben insoweit zu gebrauchen hat, als sie ihm zur Erreichung seines Zieles dienen, und daß er sich von ihnen insoweit freimachen muß, als sie ihn daran hindern.
Deshalb ist es notwendig, uns gegen alle geschaffenen Dinge gleichmütig zu stimmen, insoweit es dem eigenen Ermessen unseres freien Willens anheimgestellt und nicht verboten ist, so daß wir unserseits die Gesundheit nicht mehr als die Krankheit wollen, den Reichtum nicht mehr als die Armut, die Ehre nicht mehr als die Schmach, ein langes Leben nicht mehr als ein kurzes und so weiter in allen übrigen Dingen, indem wir einzig das verlangen und wählen, was uns mehr fördert zum Ziele, für das wir geschaffen sind" (aus Geistliche Übungen, Erste Woche: Grundlage und Grundwahrheit, siehe auch Magnus Malm, Gott braucht keine Helden, S. 54).
aus Bekenntnisse des Aurelius Augustinus: 2. Buch, 5. Kapitel:
"Schöne Körper gewähren einen reizenden Anblick, ebenso wie Gold, Silber und alles Derartige, und für das Gefühl übt fleischliche Sympathie einen starken Reiz aus; gleichermaßen haben alle übrigen Sinne eine ihnen entsprechende Eigentümlichkeit der Körper. Auch zeitliche Ehre, Herrschergewalt und Oberhoheit und der aus ihnen entspringende Trieb nach Freiheit haben ihren Reiz: doch dürfen wir, wollen wir dies alles erlangen, nicht weichen von dir, o Herr, und uns nicht entfernen von deinem Gesetz. Auch unser Menschenleben hat einen bestechenden Reiz durch eine gewisse Art von Anmut und Harmonie mit allem irdischen Schönen. Süß ist auch die Freundschaft der Menschen durch das teure Band, das viele Seelen vereint. Sünde aber wird alles dieses und ähnliches, wenn wir in zügelloser Hinneigung zu diesen Gütern, obgleich sie sehr gering sind (im Verhältnis zu denen, die du uns schenkst), die besseren und höchsten im Stich lassen, ja dich selbst, o Herr unser Gott, und deine Wahrheit und dein Gesetz. Wohl macht auch dies Geringe uns Freude, aber nicht wie du, mein Gott, der alles gemacht hat; denn die Gerechten freuen sich des Herrn und er selbst ist die Wonne derer, die geraden Herzens sind. ..."